Auszug aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung
„MEMORAN“, Galerie Brötzinger Art, Pforzheim 2015

Dr. Arthur Mehlstäubler / Kunsthistoriker, Karlsruhe


… Holger Fitterers betont malerische Arbeiten sind von – im besten Sinne des Wortes – altmeisterlicher Qualität. Doch bilden sie nichts ab. Sie wirken für sich: Flecken, Streifen und Striche mit viel Ruhe und Gefühl für stimmige Wirkungen bilden harmonische Farbklänge. Mit weichem Pinsel aufgetragene, neben- und übereinander gelegte Farbfelder fügen sich zu stillen Symphonien. Auf den ersten Blick malt Holger Fitterer abstrakt. Lässt man aber die Bilder kontemplativ auf sich wirken, werden Erinnerungen wach: Bilder etwa von Sonnenuntergängen, nächtlichen Lichtern einer Großstadt, Gräsern in der Natur oder von ausgebreiteten Früchten klingen aus dem rekognitiven Unterbewusstsein des Betrachters hervor. Auch der Künstler folgt mit der Betitelung seiner Gemälde wie „Keer“, „Fin“ oder „Senton“ assoziativen Eingaben.

Der Maler Holger Fitterer ist vom Zeichner Holger Fitterer nicht zu trennen. Die Form des Streifens kehrt bei seinen Arbeiten auf Papier wieder. Nun überziehen feine Linien und Striche aus Bleistift und Kohle die weiße Fläche. Gleichmäßig verteilt, zu Gruppen geordnet, parallel oder sich überschneidend bilden diese kalligraphischen, an Erscheinungen in der Natur erinnernden Hieroglyphen zartbesaitete, konzentrierte Fingerübungen für den Suchenden nach darstellenden, spannungsvoll-widersprüchlichen Möglichkeiten der Kunst: Fülle – Leere, Verbinden – Trennen, Aufbau – Zerstörung.

Holger Fitterers Bilder sind eigene Wesen. Sie entstehen in enger und tiefer Zwiesprache mit dem Künstler. Er horcht in sie hinein und erst, wenn sie ihm antworten, finden sie seine Anerkennung. Er zwingt sie zu nichts; sie kommen zu ihm, wie er sagt. …